Filmpremiere: Die weltlichen Hürden eines Mars-Projekts

Medienmitteilung

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Beda Hofmann auf der Suche nach Leben auf dem Mars

Eigentlich hätte das Naturhistorische Museum Bern diese Woche eine Ausstellung zu «ExoMars» eröffnet – ein internationales Raumfahrtprojekt, an dem auch Wissenschaftler des Museums beteiligt sind. «ExoMars» wäre am 20. September 2022 gestartet – mit dem Ziel, nach möglichen Spuren von Mikroorganismen auf dem Mars zu suchen. Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine musste der Start jedoch verschoben werden. Ein neuer Dokumentarfilm des NMBE erzählt von den Hürden und Hoffnungen des krisengeplagten Projekts.

Die Frage, ob es je Leben auf dem Mars gegeben hat, treibt die Menschen um. Dass unser von der Populärkultur geprägtes Bild vom grünen Männchen ausgeschlossen werden kann, ist mittlerweile klar. Doch das bedeutet nicht, dass kein Leben auf dem Mars möglich war oder ist. Antworten liefert ein Blick in den Kosmos der irdischen Mikroorganismen. Ob extrem hohe oder tiefe Temperaturen, ein grosser Salzgehalt oder wenig Energiezufuhr: Auch unter widrigsten Bedingungen können diese überleben, beispielsweise bestimmte Bakterienarten.  Sie hinterlassen teils Spuren, durch die sie auch nach Jahrtausenden nachweisbar wären. Um solche Lebensnachweise auf dem Mars aufzuspüren, wurde «ExoMars» ins Leben gerufen.

Kooperation mit Russland beendet

«ExoMars» ist ein Raumsondenprojekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Der Start der Mission war ursprünglich auf 2008 geplant gewesen und wurde nach etlichen Verzögerungen erst auf 2018, später auf den 20. September 2022 angesetzt. Herzstück der Mission ist der Rosalind Franklin Rover, ein hochtechnologisches Fahrzeug, das den Untergrund des Planeten auf Lebensspuren absuchen kann. Beziehungsweise könnte: Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wurde die Kooperation mit Roskosmos beendet und «ExoMars» ein weiteres Mal verschoben – bisher wurde noch kein Ersatzdatum bestimmt.  

Mars-Projekt mit NMBE-Beteiligung

Auch das Naturhistorische Museum Bern NMBE hätte einen Teil zur Mission beigetragen: Schweizer Wissenschaftler:innen haben ein neues Instrument für den Rover entwickelt: CLUPI (Close-UP Imager) ist ein miniaturisiertes Kamerasystem, das hochauflösende, farbige Nahaufnahmen von Böden, Gesteinen oder Bohrkernproben erstellen kann, um nach potenziellen biologischen Strukturen und Mustern zu suchen. Principal investigator – sozusagen der «Vater» von CLUPI –, ist Jean-Luc Josset vom Space Exploration Institute, Neuenburg.  Er hat CLUPI zusammen mit einem schweizerisch-französischen Team entwickelt, dem auch Beda Hofmann, Leiter der Erdwissenschaften des NMBE, angehört, und das vom Swiss Space Office des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und der französischen Raumfahrtagentur (CNES) unterstützt wird. Beda Hofmann würde, im Fall einer Durchführung der Mission, die von CLUPI gesendeten Aufnahmen analysieren und auswerten.

Dokumentarfilm statt Ausstellung

Über den Stand der Mission hätte ab dem 20. September 2022, dem geplanten Startdatum von «ExoMars», eine Sonderausstellung im NMBE informieren sollen. Stattdessen hat das Museum nun einen kurzen Dokumentarfilm über die Hintergründe des Projekts realisiert – und über das immerwährende Suchen nach extraterrestrischem Leben. In rund zehn Filmminuten wird nicht nur die Technologie von CLUPI erklärt, sondern anhand von Versteinerungen aus der Museumssammlung auch aufgezeigt, wie Spuren ausserirdischer Mikroorganismen aussehen könnten.

Der Film «Leben auf dem Mars» läuft ab dem 20. September 2022 in der Ausstellung «5 Sterne» im Kinoraum «Das ist keine Mars-Ausstellung» und auf unseren Onlinekanälen.