Naturhistorisches Museum Bern, Ausstellung Kellerjuwelen, Ureilit Meteorit

Kellerjuwelen

Sonderausstellung

In einer kleinen Sonderausstellung zeigt das Naturhistorische Museum Bern jeden Monat eines von 6,5 Millionen Objekten aus seiner Sammlung.

Bis Ende Jahr holt das Naturhistorische Museum Bern neun Perlen aus seiner Schatzkammer. Unter dem Gebäude schlummern auf zwei Etagen 6,5 Millionen Objekte. Mit rund 6 Millionen machen die wirbellosen Tiere dabei den Grossteil aus – Schmetterlinge, Käfer, Wespen und viele andere. Eine halbe Million Objekte zählt die erdwissenschaftliche Sammlung – darunter Mineralien, Fossilien oder sogar rare Mond-Meteoriten. Der Sammlungsteil der Wirbeltiere hört sich mit rund 68 000 Objekte fast schon bescheiden an, hier finden sich etwa Präparate von Säugetieren, Vogelbälge oder die weltgrösste Hundesammlung.

Die Ausstellung soll auf die Bedeutung der Sammlungen hinweisen: Sammlungen sind das Herz eines Naturhistorischen Museums und ein Archiv der Natur. Sie erzählen uns die Geschichte der Vielfalt und sind Zeugen der Veränderung. An unseren 6,5 Millionen Objekten wird tagtäglich gearbeitet – von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unserem Haus und aus der ganzen Welt.

Bislang gezeigte Objekte

Versteinerte Vogelspuren (April)

Vor sieben Jahren entdeckte der Jäger Kurt Widmer in einem Bachbett bei Schangnau eine kleine Sensation: versteinerte Vogelspuren in einem Felsblock. Der Felsblock gehört zur Honegg-Mergel-Formation. Und weil das Alter dieser Gesteinsschicht bekannt ist, konnten die Forscher des Naturhistorischen Museums auch die Trittsiegel datieren. Die Vogelspuren sind 24,5 Millionen Jahre alt. Die Gegend damals muss man sich so vorstellen: Die Alpen waren dabei, sich zu erheben. Flussläufe führten riesige Mengen Schutt ins Mittelland. Die Vögel hinterliessen ihre Fährten im Schlamm – dieser trocknete ein. Darüber legte sich eine feinkörnige Schicht Sand, die über Jahrmillionen versteinerte. Der Schlamm wurde zu Mergel. Da dieser schneller verwittert, blieben die Spuren im Sandstein zurück. Das Aussergewöhnliche dieses Fundes ist, dass gleich zwei Vogelarten ihre Spuren im Sandstein hinterlassen haben. Die grösseren Spuren messen circa 15 Zentimeter. Die Fährte stammt von einem Vogel, der einem Graureiher geähnelt haben muss. Wer genau hinschaut, entdeckt auf dem Gipsabdruck auch kleine, nur ein bis zwei Zentimeter grosse Spuren eines weiteren Vogels – diesen kann man sich als eine Art Flussuferläufer vorstellen. Der Fels mit den originalen Spuren findet sich immer noch im Bachbett. Sein Standort ist geheim. 

Albino-Reh (Mai)

Sind Albino-Rehe die letzten Einhörner? Ihre mystische Erscheinung hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Auch dieses Reh war eine Berühmtheit. Ein Jäger fotografierte es im Kiental. Als das Bild in der Presse erschien, war das Reh allerdings bereits tot. Das Reh wurde im März 2005 tot in einem Bachbett gefunden. Es war ertrunken. Nach dem Winter war es offenbar geschwächt. Albinismus ist eine seltene Laune der Natur. Grund für die weisse Färbung ist eine genetische Mutation. Albino-Tiere haben in der Natur geringere Überlebenschancen, da sie schlechter gegen die Sonne geschützt sind und Fressfeinden leichter auffallen. Wenn sich Albino-Tiere fortpflanzen, können auch die Nachfahren weiss gefärbt sein. Weisse Kaninchen und Mäuse sind gezüchtete Albino-Formen. Unter Jägern ist es verpönt, Albino-Tiere zu schiessen. 

Prachtkäfer (Juni)

Das Exemplar dieses Prachtkäfers mit dem lateinischen Namen Steraspis hoscheki ist höchstwahrscheinlich das letzte auf der Welt. Nach unserem Wissensstand handelt es sich hierbei um den einzigen Käfer dieser Art, der in Museumsbeständen existiert. Zudem ist es ein Typus-Exemplar. Das heisst: Die Beschreibung dieser Käferart basiert auf diesem Individuum. Der Käfer stammt aus einem Regenwaldgebiet in Angola. Der gesamte Wald wurde vor Jahrzehnten abgeholzt. Die Art ist deshalb höchstwahrscheinlich ausgestorben. In der Schweiz leben 89 Prachtkäferarten. Sie entwickeln sich in Totholz. Wegen der intensiven Bewirtschaftung der Wälder sind viele Arten gefährdet. 

Europäischer Wels (Juli)

Dieser Wels ist mehr als ein wissenschaftliches Präparat – er ist auch ein Vertreter aller Welse der Schweiz: Er gehört nämlich zur Sammlung Projet Lac und wurde aus dem Murtensee gefischt. Das Projet Lac könnte man als Fisch-Volkszählung bezeichnen. Das Forschungsprojekt hatte zum Ziel, alle Fischarten zu erfassen, die in unseren Seen schwimmen – die gesammelten Fische lagern nun in unserem Museum. Welse leben in verkrauteten Seen und langsam fliessenden, grossen Flüssen. Sie sind Allesfresser. Neben Fischen oder Amphibien gehören sogar Tauben zu ihrer Beute. Bei diesem Exemplar handelt es sich um einen Europäischen Wels. Die Art kann sehr alt werden – bis 80 Jahre. Und Längen bis über 2 Meter erreichen, da Welse zeitlebens wachsen. 

Vorschau
  • August: Schwalbenschwanz-Schwärzling
  • September: Ureilit-Meteorit
  • Oktober: Schwarze Witwe
  • November: Bläuling
  • Dezember: Goldleim