Rückblick/Ausblick: Mit «Weltuntergang» in eine neue Zeit

Medienmitteilung

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Naturhistorisches Museum Bern, Bar der toten Tiere, Tiermaskenball
Tiermaskenball an der Bar der toten Tiere in der Altjahrswoche 2017 NMBE/Schäublin

Zum siebten Mal in Folge überschreitet das Naturhistorische Museum die Schwelle von 100'000 Eintritten. Im November eröffnete die Ausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende». Ein Aufbruch zu neuen Ufern: Sie führt künstlerische Werke mit Naturwissenschaften zusammen. Zudem bespielt die Institution der Burgergemeinde Bern damit erstmals neue Räumlichkeiten. Im laufenden Jahr wird ein Familienraum eröffnet.

Mit einer stimmigen Vernissage im Berner Münster wurde im November die neue Ausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» dem Publikum übergeben. Die Temporärausstellung (Laufzeit 5 Jahre) bezieht gezielt künstlerische Arbeiten ein und steht damit für die seit jüngerer Zeit verfolgte Ausrichtung, Naturwissenschaft und Kultur zu verbinden. Die Schau entstand in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsmacher Martin Heller und seinem Team. Für das Naturhistorische Museum bedeutet «Weltuntergang» einen Aufbruch. Das Haus will mehr auf temporäre Ausstellungen setzen. Dafür hatte bislang der Platz gefehlt. Neu kann die Institution der Burgergemeinde Bern zwei Etagen im 1998 eröffneten Anbau bespielen, die bisher fremdvermietet waren. Im dritten Stock machte «Weltuntergang» auf über 600 Quadratmetern den Anfang; die zweite, gleich grosse Etage soll 2019 eröffnet werden.

124'106 Eintritte im letzten Jahr

Obwohl die neue Ausstellung erst im November eröffnet wurde, kann Berns ältestes Museum auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Trotz einem Rückgang der Eintritte im Vergleich zum Rekordjahr 2016 (130’762) verzeichnet das Haus mit 124'302 Eintritten sein viertbestes Ergebnis in seiner über 180-jährigen Geschichte. Zum siebten Mal in Folge überschreitet das Museum damit die in der schweizerischen Museumswelt magische Grenze von 100'000 Eintritten.

Zu den Highlights des vergangenen Jahres zählten auch unzählige Veranstaltungen. So führte das Hause etwa zwei Themenmonate durch: «Amazonas in Bern» und «Birders». Auf vielfachen Wunsch ihrer Fans kehrte das Kult-Duo Uwe Schönbeck und Christian Kropf auf die Bühne zurück, zusammen mit dem Musiker Pip bestreiten sie neu die Wissenschaftsshow «Winterbergs Bestiarium». Ein neues, junges Publikum brachte wiederum die «Bar der toten Tiere ins Haus»; knapp 3000 Leute besuchten in der Altjahreswoche die Bar mit der ungewöhnlichsten Kulisse.

Eine Baustelle als Glücksfall Im Oktober stellte das Museum den Medien das Projekt #Bahnhofsnashorn mit dem RBS vor. Das Verkehrsunternehmen gehört zu den Bauherren einer der grössten Baustellen der Schweiz – der Erweiterung des Berner Bahnhofs. Die Baustelle ist für die Paläontologen des Museums ein Glücksfall: Sie können den Bauschutt nach Versteinerungen unter-suchen. In diesen Ablagerungen kam beim Bau der Tiefenaustrasse um 1850 ein frühzeitliches Nashorn zum Vorschein. In einer kleinen Sonderschau zeigte das Museum den originalen Schädel.

Ausblick auf 2018: Museumsbier und ein Nest für den Nachwuchs

Auch im laufenden Jahr wird die Ausstellung «Weltuntergang» prägend sein, mit einem buntscheckigen Rahmenprogramm wird das Thema von verschiedenen Seiten angegangen – unter anderem von Peter Schneider oder dem Kult-Forensiker Mark Benecke. Ab 22. März lädt das Museum zum «Museumsbier», ein Pilotprojekt bei dem sechs Berner Häuser an sieben Donnerstagabenden in Folge mindestens eine Ausstellung offen halten (zusammen mit Alpines Museum, Kunsthalle Bern, Kunstmuseum Bern, Museum für Kommunikation, Schützenmuseum). Damit soll die Lust geweckt werden, abends in Museen zu gehen. Der Eintritt ist mit leichtem Aufpreis in einem Getränk inbegriffen. Ab März holt das Museum in der kleinen Schau «Kellerjuwelen» spektakuläre Objekte aus seiner Sammlung, die 6,5 Millionen zoologische und erdwissenschaftliche Stücke zählt. Im November eröffnet das Museum «Picas Nest» (Arbeitstitel). Die Ausstellung für Kinder erlaubt es, das Thema Wald auf einzigartige Art und Weise spielerisch zu entdecken. Gleichzeitig bietet der Raum Möglichkeit für Rückzug und eine Verschnaufspause für die Eltern – mit Kaffee und geistiger Nahrung.

Was im letzten Jahr in der Forschungsabteilung lief

Abteilung Wirbeltiere

Die Forschung in Südostasien spielt eine wichtige Rolle am NMBE. Ein Team um Dr. Stefan T. Hertwig, Froschspezialist und Leiter der Abteilung Wirbeltiere, konnte erneut eine internationale Expedition auf der Insel Borneo durchführen. Die dort gesammelten Exemplare und Proben bilden eine wichtige Grundlage für laufende und künftige Studien. Ebenfalls in diesem Raum tätig ist der Kurator der Fischsammlung Dr. Lukas Rüber. Zusammen mit einem Team internationaler Wissenschaftlern hat er umfangreiche genetische Untersuchungen an Schlangenkopffischen durchgeführt und konnte zeigen, dass in der Vergangenheit ein hoher Prozentsatz der Arten falsch identifiziert wurde. Schlangenkopffische kommen in den Süssgewässern Afrikas und Asiens vor. Die Archäozoologie analysierte steinzeitliche, ca. 5’800 Jahre alte Tierknochen aus Pfahlbauten am Moossee. Interessant ist hier der Nachweis eines Auerochsen, der grossgewachsenen, imposanten Wildform unseres heutigen Hausrindes.

Abteilung Wirbellose Tiere

Die Abteilung Wirbellose Tiere hat im letzten Jahr 28 neue Arten beschrieben, darunter 13 Laufkäfer aus dem Himalaya und Tibet, sechs Rüsselkäfer aus Griechenland und von den Andamanen, fünf fossile Schlupfwespen, vier Landschnecken aus Kreta und Amerika. In einer Publikation konnte erklärt werden, warum bei den heimischen Skorpionen die Männchen grössere Giftdrüsen besitzen als die Weibchen – sie benutzen die Giftdrüsen während der Paarung, bei der das Männchen wiederholt das Weibchen sticht. Dies dient offenbar dazu, das Weibchen «kooperativ» zu machen.

Abteilung Erdwissenschaften

In der Abteilung Erdwissenschaften spielt die Meteoritenforschung eine Hauptrolle. Im Winter führte Meteoritenforscher Professor Beda Hofmann mit seinem Team erneut eine Feldkampagne im Oman durch. Unter den 355 Meteoritenfunden in der Rub’ al-Khali Sandwüste war der Anteil seltener Typen aussergewöhnlich hoch. Einer der 2017 gefundenen Meteorite konnte als junges Fallereignis (vor höchstens fünf Jahren) identifiziert werden – dies mittels hochempfindlicher Gammaspektrometrie. Auch die Arbeiten am Projekt «Twannberg-Meteoritenstreufeld» liefen weiter. Die vorwiegend privaten Sammler haben bis Ende letzten Jahres 1035 Fragmente des Twannbergmeteoriten mit einem Gesamtgewicht von 115 kg gefunden. Von den gefundenen Stücken gelangt immer einen Teil in die Sammlungen des NMBE. Durch die neuen Funde konnte bereits die Ausdehnung des Streufeldes genauer beschrieben werden.

Sammlungen und Auszeichnungen

Das Naturhistorische Museum verfügt über eine Sammlung von circa 6,5 Millionen erdwissenschaftlichen und zoologischen Objekten – jährlich wächst das Herzstück des Museums weiter. Der wohl wichtigste Zuwachs war die Schenkung der Sammlung der Fondation Paléontologique Jurassienne (FPJ). Im Mai wurde ein Vertrag zwischen der FPJ, dem Kanton Jura und dem NMBE unterzeichnet. Mit dieser Sammlung mit ca. 40'000 Objekten gelangt eine der bedeutendsten Fossilien-Sammlungen der Schweiz ans NMBE. Das Museum wird damit endgültig zum Wissenszentrum für die Jurazeit. Im Oktober hat Dr. Manuel Schweizer von der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft e. V. den Maria-Koepcke-Preis für heraus-ragende Studien in Vogelsammlungen erhalten. «Mit bemerkenswerter Zielstrebigkeit hat Dr. Schweizer insbesondere die Verbindung moderner Sammlungsarbeit und molekulargenetischer Analysemethoden vorangetrieben, wovon eine große Zahl hochkarätiger Publikationen zeugt», heisst es in der Laudatio. Schweizer wurde zudem Präsidenten der Ala Schweiz gewählt, der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz. Zum Präsidenten der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft gekürt wurde Hannes Baur, Mitarbeiter der Abteilung Wirbellose Tiere am NMBE und ausgewiesener Wespenspezialist.