Rarer Fund im Emmental: Versteinerte Vogelspuren entdeckt

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Versteinerte Vogelspuren aus dem Gebiet Schangnau (Gipsabdruck)
NMBE/Schäublin
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Bei Schangnau im Emmental hat ein Jäger einen spektakulären Fund gemacht: An einem Felsblock fand er versteinerte Vogelspuren. Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums haben die Spuren datiert: Es handelt sich um Fährten zweier Vogelarten, sie sind 24,5 Millionen Jahre alt. Der genaue Fundort ist geheim. Ein Gipsabdruck der Vogelspuren ist aber bis Ende April im Naturhistorischen Museum ausgestellt – in der kleinen Schau «Kellerjuwelen» zeigt das Naturhistorische Museum spannende Objekte aus seiner Sammlung.

Jäger Kurt Widmer kennt die Hänge und Gräben bei Schangnau im Berner Emmental wie seine eigene Hosentasche. Wir schreiben das Jahr 2011: Auf einem Streifzug lässt sich Widmer an einem Bachbett nieder und isst sein «Znüni», als ihm etwas ins Auge sticht, das er noch nie in seinem Leben gesehen hat. Auf der Unterseite eines Sandsteinblockes entdeckt er Vogelspuren. Wie bei einem Stempel treten die Trittsiegel aus dem zwei Meter grossen Felsblock hervor. Widmer wird gleich klar, etwas Aussergewöhnliches entdeckt zu haben. Er benachrichtigt das Naturhistorische Museum Bern.

Die Paläontologen der Institution der Burgergemeinde reiben sich die Augen – Funde versteinerter Vogelspuren in der Schweiz sind rar. Die erste Erkenntnis: Der Felsblock gehört zur Honegg-Mergel-Formation. Und weil das Alter dieser Gesteinsschicht bekannt ist, können die Forscher auch die Trittsiegel datieren. Die Vogelspuren sind 24,5 Millionen Jahre alt, Geologen nennen diesen Zeitraum Oligozän. Die Gegend damals muss man sich so vorstellen: Die Alpen waren dabei, sich zu erheben. Flussläufe führten riesige Mengen Schutt ins Mittelland. Wie wurden die Vogelspuren zu Stein? Die Vögel hinterliessen ihre Fährten im Schlamm – dieser trocknete ein. Darüber legte sich eine feinkörnige Schicht Sand, die auch die Trittsiegel ausfüllte. Über Jahrmillionen versteinerten Sand zu Sandstein und Schlamm zu Mergel. Durch die Verwitterung des weicheren Mergels sind die Spuren an der Unterfläche des Sandsteinblocks zurückgeblieben.

Standort geheim

Das Aussergewöhnliche dieses Fundes ist, dass gleich zwei Vogelarten ihre Spuren im Sandstein hinterlassen haben. Um welche Arten es sich genau handelt, können die Wissenschaftler nur grob bestimmen – dazu gibt es zu wenige Funde entsprechender Fossilien. Aufgrund der Spuren kann man aber die Vogelgruppe eruieren. Die grösseren Spuren messen circa 15 Zentimeter. Die Fährte stammt von einem Vogel, der einem Graureiher geähnelt haben muss. Wer genau hinschaut, entdeckt auf dem Gipsabdruck auch kleine, nur ein bis zwei Zentimeter grosse Spuren eines weiteren Vogels – diesen kann man sich als eine Art Flussuferläufer vorstellen.

Wie die Vögel vor 25 Millionen Jahren aussahen, wissen wir nicht genau. Um mehr zu erfahren, haben Spezialisten für Dinosaurier-Spuren in einem deutschen Vogelpark Tests durchgeführt. Sie liessen Kraniche und andere Vögel über verschiedene Untergründe spazieren, wie etwa Sand und Ton. Anhand von bildgebenden Methoden versucht ein Forscherteam nun, am Computer mehr über die Spuren zu erfahren. Der Fels mit den originalen Spuren findet sich immer noch im Bachbett, der Steinblock ist zu schwer für einen Transport mit dem Helikopter. Sein Standort ist geheim.

Bis Ende April in der Sonderschau Kellerjuwelen zu sehen

Der bisher öffentlich nicht bekannte Fund der versteinerten Vogelspuren machen den Auftakt der kleinen Sonderausstellung «Kellerjuwelen». Das Naturhistorische Museum Bern verfügt über eine Sammlung von 6,5 Millionen Objekten. Bis Ende Jahr zeigt die Institution jeden Monat ein neues, spannendes Objekt aus seinem Keller. Die Ausstellung soll auch auf die Bedeutung der Sammlungen hinweisen: Sammlungen sind das Herz eines Naturhistorischen Museums und ein Archiv der Natur. Sie erzählen uns die Geschichte der Vielfalt und sind Zeugen der Veränderung. An unseren 6,5 Millionen Objekten wird tagtäglich gearbeitet – von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unserem Haus und aus der ganzen Welt.