Von einer Krise zur nächsten: Nach erfolgreichen anderthalb Jahren Laufzeit ist die Sonderausstellung «Insektensterben – Alles wird gut» im Mai zu Ende gegangen. Nur ein halbes Jahr später, im Oktober 2025, eröffnete die neue Dauerausstellung «Mensch, Erde! – Das Klima im Wandel». Die bildstarke Ausstellung lädt nicht nur auf eine Reise durch die Erdzeitalter ein und präsentiert Fossilien aus der hauseigenen Sammlung, sie zeigt vor allem auf, wie sich der menschengemachte Klimawandel von vergangenen Klimakatastrophen unterscheidet, woher er führt und was für Massnahmen existieren, die wir ihm entgegensetzen können.
Eine Massnahme setzte das Museum pünktlich zur Eröffnung gleich selbst um: Auf dem Dach wurde eine Solaranlage eingerichtet, die künftig rund ein Drittel des Strombedarfs des Museums produziert. Die Montagearbeiten wurden genutzt, um auch dem in die Jahre gekommenen Museumsmaskottchen einen frischen Anstrich zu geben. Der goldene Dachelefant Caruso wurde durch ein neues Modell ersetzt, das nun wieder in leuchtendem Gold über den Dächern des Berner Kirchenfeldquartiers strahlt.
Die Ausstellungen und das vielseitige Veranstaltungsprogramm konnten im vergangenen Jahr 134’873 Besuchende (Vorjahr: 141’420) anziehen – ein guter Mittelwert für das Museum. Allein 4’262 davon besuchten vom 26. bis 30. Dezember die «Bar der toten Tiere», mit der das NMBE traditionsgemäss das Jahr ausklingen lässt. Und auch in der Forschung lief wieder einiges: Anhand der renommierten Hundesammlung des Hauses trieben internationale Forschungsteams ihre Studien rund um die Domestizierung des Wolfes voran. Forschergruppen unter Beteiligung des NMBE beschrieben acht neue Arten von Wächterfröschen von Borneo und zeigten, wie sich der Steinschmätzer einen evolutionären Vorteil mit seiner Färbung verschafft. Zudem feierte 2025 der im NMBE beheimatete World Spider Catalog sein 25-jähriges Bestehen. In diesem Onlinekatalog werden alle bekannten Spinnenarten der Welt erfasst – derzeit sind es rund 53’500.
Das Museum als Lernort für Schulen
Wie der neue Caruso strahlt auch das neue Jahresprogramm, diesmal unter dem Motto «Hier ist alles Gold, was glänzt». In den kommenden Monaten werden nicht nur etablierte Formate wie die «Führungen hinter die Kulissen», das «Tierzeichnen» oder «Wissen-Saft» stattfinden. Im Rahmen der Ausstellung «Mensch, Erde!» gastiert das Klimacafé der Psychologists for Future (Psy4F) im Museum und der neu gegründete Buchclub des Museums, die «NMBE Leseratten», setzt sich für die erste Lektüre ebenfalls mit der Klimathematik auseinander.
Besonders im Fokus stehen dieses Jahr die Schulangebote: Die reichhaltigen Unterrichtsmaterialien werden komplett überarbeitet und aufgefrischt. Das NMBE hat sich über Jahre als ausserschulischer Lernort etabliert und will der steigenden Nachfrage gerecht werden. Pro Jahr besuchen rund 1100 Schulklassen das Museum – individuell oder für Ausstellungsworkshops. Zudem werden Lehrpersonen laufend weitergebildet und im Umgang mit dem Unterrichtsmaterial geschult. Alle Schulangebote sind online zugänglich auf nmbe.ch/fuerschulen.
Und auch das Museumsquartier, von dem das NMBE zusammen mit elf weiteren Institutionen Teil ist, hat Grosses vor. Im Dezember wurde eine städtebauliche Studie lanciert. Diese soll in den kommenden Monaten klären, wie das Quartier weiterentwickelt werden kann. Ziel ist eine langfristige Vision für das Museumsquartier, ein zusammenhängender Kultur- und Stadtraum zwischen den verschiedenen Museen.