Fossilien aus den Tiefen des Mont Terri

Medienmitteilung

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Tiefenbohrung Mont Terri
Mitarbeiter des NMBE begutachten einen Bohrkern zvg/NMBE

Im Inneren des Mont Terri (Jura) wird derzeit gebohrt. Das Ziel: Das Gestein auf seine Eignung in Hinblick auf ein radioaktives Endlager prüfen. Das Naturhistorische Museum Bern ist mittendrin: Es analysiert unter anderem Fossilien aus einer neuen Tiefenbohrung, die wichtige Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte liefern.

Wohin mit radioaktiven Abfällen? Vielerorts werden Gesteine für die Endlagerung geprüft, so auch in der Schweiz, wo der Opalinuston als bevorzugtes Wirtsgestein gilt, da er Flüssigkeit abstösst und bei Kontakt aufquillt, was undichte Stellen sogleich schliesst. Um dessen Eigenschaften noch besser zu verstehen, wurde kürzlich im Mont Terri eine neue Tiefenbohrung gestartet – wissenschaftlich begleitet durch das Naturhistorische Museum Bern.

Das internationale Forschungsprojekt DEBORAH (Deep borehole to resolve the Mont Terri Anticline Hydrogeology) wurde vom deutschen GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung initiiert und gemeinsam mit Swisstopo sowie weiteren Partnerinstitutionen umgesetzt. Ziel ist es, die Eigenschaften des Opalinustons sowie der darüber- und darunterliegenden Gesteinsschichten umfassend zu untersuchen. Die Untersuchung, eine sogenannte hydrogeologische Charakterisierung, soll unter anderem zeigen, ob und wie die Gesteine auf Wasser reagieren.

Neues Maximum der Bohrtiefe erreicht

Die Bohrung findet im Mont Terri Felslabor statt, wo sich in rund 150 bis 200 Metern Tiefe ein Autobahntunnel befindet. In der Sicherheitsgalerie – zugleich Zugang zum Felslabor – arbeitet sich derzeit eine Bohranlage in Richtung einer Zieltiefe von 800 Metern vor. Am 12. März 2026 wurde die Tiefe von 250 Meter überschritten, was für das Mont Terri Projekt ein neues Maximum der Bohrtiefe bedeutete. Aktuell wird in einer Tiefe von rund 408 Metern gebohrt. Die geborgenen Bohrkerne liefern wertvolle Hinweise zu Alter und Entstehungsgeschichte der Gesteine. Das NMBE untersucht und interpretiert die Bohrkerne und markiert Fossilien zur späteren Entnahme. Ein Bohrprofil der verschiedenen Gesteine wird gezeichnet und die einzelnen Abschnitte werden den formellen Gesteinsformationen zugeordnet. Anschliessend erfolgen die Präparation und Bestimmung der Fossilfunde ebenso wie die wissenschaftliche Auswertung. Aufbewahrt werden die Fossilien am NMBE.

Neben den erwähnten Partnern GFZ Helmholtz-Zentrum und Swisstopo sind auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Deutschland), die Nuclear Waste Services (Grossbritannien) sowie Forschende der Universität Bern beteiligt. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Eignung potenzieller Wirtsgesteine für Endlagerstandorte in Europa fundiert zu bewerten.