Expedition Fieberwahn Ein mobiles Spiel durchs Museum

Medienmitteilung

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Naturhistorisches Museum Bern, Vivienne im Fieberwahn
Expedition Fieberwahn NMBE

Smartphone zücken, einloggen, los. In einem neuen Spiel retten Besucherinnen und Besucher auf ihrer Reise durch unser Haus die Grosswildjägerin Vivienne von Wattenwyl vor ihren Fiebergeistern. Ein abenteuerliches Format zwischen Computergame und Ausstellung!

Mit nichts als ihrem Smartphone bewaffnet kämpfen die Spielenden gegen Läuse, Riesenhühner und andere Schreckgespenster, um Vivienne von Wattenwyl von ihren Fiebergeistern zu befreien. Was ist Wirklichkeit, was Wahn? Sicher ist, dass die Museumsgäste so etwas noch nie erlebt haben: Das mobile Spiel ist eine exklusive und für unser Museum massgeschneiderte Entwicklung der Berliner Gametheatergruppe machina eX.

Neues Spiel, neues Glück

Besucherinnen und Besucher erleben mit diesem Spielformat das Museum ganz neu: Die via Smartphones zugängliche Mischung aus Computergame, Hörspiel und Spurensuche durchs Museum eröffnet den Spielenden eine Parallelwelt, in der die Dinge nicht mehr sind, was sie scheinen. Es wird eine zweite Bedeutungsebene über vorhandene Inszenierungen oder Objekte gelegt und die Spielenden werden zu eingeweihten Figuren einer Spielwelt, die sich nur ihnen erschliesst – wer nicht mitspielt, bekommt von der geheimnisvollen Expedition nur am Rande etwas mit. Die Spielenden aber lösen Rätsel, verfolgen Spuren und beeinflussen mit ihrem Handeln den Fortgang der Geschichte. 

Alte Geschichten, neue Zusammenhänge

Die Figur der Vivienne von Wattenwyl, bernburgerliche Aristokratin und Grosswildjägerin, ist Hauptperson und Zentrum des Spiels. Vivienne transportiert die Geschichte von Ort zu Ort und durch die Zeiten, leichtfüssig und vergnüglich – und doch mit Tiefgang: Ganz nebenbei, im Eifer des Gefechts, erfahren die Spielenden viel Wissenswertes. Indem man die geheimnisvolle Frau aus der Vergangenheit von ihren Fiebergeistern befreit, werden unbekannte Verknüpfungen und verborgene Details in Themen und Objekten der Ausstellungen freigelegt. 

Neue Wege

Das Naturhistorische Museum Bern hat sich vor einiger Zeit auf die Suche nach neuen Angeboten für sein Publikum gemacht, mit denen andere Zugänge und neue Blickwinkel zu bestehenden Ausstellungen geschafft werden können. Dabei hat sich das Museum auch eingehend mit den vielversprechenden Entwicklungen im Bereich von Virtual und Augmented Reality beschäftigt.

Bewusst hat sich das Haus aber letztlich gegen eine rein digitale Lösung entschieden. Das Herz unseres Hauses machen seit jeher die Ausstellungen mit ihren Objekten und Inszenierungen aus. Wikipedia, Instagram, Google Lens und alle anderen Errungenschaften der schönen, neuen digitalen Welt haben auch einen Einfluss auf die Museumswelt, haben aber dem Reiz des Physischen eines Museums keinen Abbruch getan. Eher im Gegenteil: Mit voller Absicht setzen wir einen Gegenpunkt, in dem zwar Smartphones eingesetzt werden, die Technik aber nur Mittel zum Zweck ist – und die technische Spielerei nicht im Mittelpunkt steht. Zudem sind wir überzeugt, dass vor allem auch ein jüngeres Publikum nicht mit immer mehr Informationen abgeholt werden kann. 

Auf unserer Suche stiessen wir schliesslich auf die Berliner Gametheatergruppe machina eX, die sich insbesondere für die Übertragung von Computerspielsystemen in lebensechte Räume interessiert. Wir erkannten in dieser Mischung aus Theater, Computergame, Spieldesign und Hörspiel die Chance, ein Spiel zu entwickeln, das in der Museumslandschaft bisher einmalig ist. 

Zielpublikum, Spielweise, Spieldauer
  •  Für die Spielenden ist die Teilnahme kostenlos: Sie holen sich die Spielanleitung und los geht’s.
  • Das Spiel ist für neugierige und spielfreudige Menschen allen Alters gedacht.
  • Zum Spielen braucht es ein Smartphone und jemand, der es bedienen kann. Das Spiel kann alleine oder in einer Gruppe gespielt werden, wobei Gruppen von mehr als fünf Personen nicht empfehlenswert sind. Spielt eine Gruppe  zusammen, benutzt sie gemeinsam nur ein Smartphone. Wer kein Smartphone hat, es nicht bedienen kann oder noch nicht lesen kann, macht einfach in der Gruppe mit.
  • Welchen Platz das Spiel beim Besuch des Museums einnimmt, entscheiden die Spielenden selber: Es kann neben einem normalen Ausstellungsbesuch gespielt oder ins Zentrum der Aufmerksamkeit genommen werden. Der Verlauf des Spiels ist in Sektionen geteilt, die auch einzeln gespielt werden können.
Entwicklungsteam

Das Spiel entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Bern

NMBE: 

  • Projektleitung, Inhaltskonzept: Dora Strahm, Ausstellungskuratorin NMBE

machinaeX: 

  • Projektleitung, künstlerische Leitung, Sounddesign:   Mathias Prinz
  • Technische Leitung, Programmierung, Game-Design: Philip Steimel
  • Text, Handlung: Clara Ehrenwerth
machina eX

machina eX forscht seit 2010 an der Schnittstelle von Theater und Computerspiel. Das siebenköpfige Medientheaterkollektiv (Clara Ehrenwerth, Anna Fries, Robin Hädicke, Lasse Marburg, Mathias Prinz, Yves Regenass und Philip Steimel) ist aus den kulturwissenschaftlichen Studiengängen der Universität Hildesheim hervorgegangen und produziert seither partizipatives Game-Theater. machina eX kombiniert moderne Technologien mit Mitteln des klassischen Illusionstheaters und schafft so immersive spielbare Theaterstücke, die zugleich begehbare Computerspiele sind. Seit ihrer Gründung haben sie im deutschsprachigen Raum, aber auch darüber hinaus etwa zwanzig Live-Games entwickelt.

Vivienne von Wattenwyl

Im Mai 1923 reisten die erst 23-jährige Vivienne von Wattenwyl mit ihrem Vater Bernard nach Ostafrika, um für das Naturhistorische Museum Bern Tiere zu jagen. Als ihr Vater von einem Löwen getötet wird, führte sie als einzige Frau und Weisse die Safari mit den afrikanischen Jägern und Trägern erfolgreich weiter. Im Jahr 1928 kehrt sie noch einmal nach Afrika zurück, doch diesmal ohnen Gewehr: Sie schiesst nur noch Bilder mit der Kamera. Die von den beiden Grosswildjägern erlegten Tiere sind als kulturhistorisches Herzstück des Museums, den Afrika Dioramen, noch heute eine beliebte Publikumsattraktion.