Besucherrekord und neue Ausstellung mit dem Titel «Weltuntergang» (Nov. 17)

Datum: 
12. Januar 2017

Neuer Besucherrekord im Naturhistorischen Museum

Das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern blickt auf ein hervorragendes Jahr zurück: Mit 130’945 Eintritten verzeichnet das Haus einen neuen Besucherrekord. Dank den kleinen, aber feinen Ausstellungen und einer Vielzahl von Veranstaltungen. Im nächsten Jahr ist eine grosse, neue Ausstellung mit dem Titel «Weltuntergang» geplant, die unter der Leitung von Martin Heller entsteht, Kurator und ehemaliger Künstlerischer Direktor der Expo.02. Damit vergrössert das Museum auch seine Ausstellungsfläche markant. 
 
In der über 180-jährigen Geschichte des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern hat das Haus noch nie so viele Eintritte zählen können. Mit 130’945 Besucherinnen und Besuchern verzeichnet das Museum einen neuen Besucherrekord. Im letzten Jahr lag die Zahl bei 107’845, was einer Steigerung um fast einen Fünftel entspricht. Der bisherige Besucherrekord stammt aus dem Jahr 2012 mit 127’946 Eintritten. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis, da im letzten Jahr mit «Twannberg-Meteorit» nur eine kleine Ausstellung eröffnet wurde. Ein Publikumsmagnet stellten auch die vielfältigen Veranstaltungen im Haus dar. 2016 war aber auch aus meteorologischer Sicht ein tolles Museumsjahr – gerade im Vergleich zum Vorjahr. 
 
Twannberg-Meteorit, Tierschmuggel, Elefantenjahr
Der Star im letzten Jahr war ein Ausserirdischer: Im August 2016 konnte das Museum den Fund von über 600 Fragmenten des Twannberg-Meteoriten bekannt geben – eine Meldung, die in der nationalen Medienlandschaft wie eben ein solcher Himmelskörper einschlug. Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums und der Universität Bern haben mit einer Gruppe von rund 50 Meteoritensammlern das erste Meteoriten-Streufeld der Schweiz entdeckt. Tags darauf wurde die kleine Schau «Twannberg-Meteorit – Jäger des verlorenen Schatzes» eröffnet. Die Ausstellung wird voraussichtlich noch bis zum 20. August 2017 zu sehen sein. Der Eisenmeteorit wird die Forschung noch Jahre beschäftigen. 
 
Die Sonderausstellung «Tierschmuggel – tot oder lebendig» wurde im November 2015 eröffnet und im letzten Jahr auf Ende Mai 2017 verlängert – aufgrund der positiven Reaktionen. Die Ausstellung zeigt Objekte, die am Schweizer Zoll konfisziert wurden. Sie erzählt unglaubliche Schmuggler-Geschichten und deckt überraschende Hintergründe auf.  
 
Im Frühling eröffnete das Museum ein Diorama mit einheimischen Reptilien und Amphibien, finanziert vom Museumsverein.  Dioramen heissen die Schaukästen, in denen die Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen gezeigt werden. Unsere historischen Dioramen gelten in der europäischen Fachwelt als Perlen. Vor fast 40 Jahren hat das NMBE zum letzten Mal ein klassisches Diorama eröffnet. In der Tat sind diese etwas aus der Mode geraten, dennoch setzten wir weiterhin auf die klassische Präsentationsform – auch als wohltuender Kontrapunkt im digitalen Zeitalter.    
 
Das letzte Jahr stand zudem im Zeichen der sanften Riesen. Im «Elefantenjahr» zeigten wir eine Reihe von Sehenswürdigkeiten im Haus und richteten Veranstaltungen zu den dünnhäutigen Dickhäutern aus. So begingen wir unter anderem das 150-Jahre-Jubiläum des Elefanten von Murten, zeigten ein Werk von Bernhard Luginbühl und stellten seinem Sohn Jwan ein ausrangiertes Elefantenpräparat zur Verfügung, der damit eine Skulptur schuf. Zu guter Letzt erhielt der goldene Elefant auf unserem Dach – das Maskottchen des Elefantenjahres – endlich einen Namen: Caruso.
 
Das Naturhistorische Museum setzt in seiner Strategie auf unkonventionelle Anlässe, die auf erfrischende Art und Weise Naturthemen vermitteln und ein heterogenes Publikum ins Haus locken – dies unter dem Veranstaltungslabel «Hilfe, es lebt!». Auch im letzten Jahr fanden eine Reihe besonderer Anlässe statt. So traten Frölein Da Capo, Timmermahn oder Uwe Schönbeck & I Salonisti auf. Die Bar der toten Tiere fand in der Wintersaison neu in der Altjahreswoche statt und war wiederum ein Publikumserfolg.
 
Daneben hat das Naturhistorische Museum ein neues Label für die Vermittlungsangebote für Familien und Kinder geschaffen: «Pica». Pica, die freche Elster, zeigt den kleinen und grossen Besuchern, wo sie Angebote finden, die auf ihre Wünsche und Bedürfnisse, zugeschnitten sind. Zum einen bauen wir die Angebote, die Familien auf eigene Faust im Museum erkunden können, sukzessive aus – etwa mit den Themenkoffern. Zum anderen bieten wir auch hier packende Veranstaltungen. So haben wir im letzten Jahr neue interaktive Familienführungen durchgeführt, die sich grossem Zuspruch erfreuten. 
 

Ausblick 2017: Weltuntergang, Amazonas in Bern, Birdwatcher

2017 wird für das Naturhistorische Museum ein wichtiges Jahr. In seiner Strategie will das Haus mehr auf Sonderausstellungen setzen, bislang fehlten dafür entsprechende Räume. Nun können wir unsere Ausstellungsfläche um 1200 Quadratmeter erweitern, da künftig der gesamte, 1998 eröffnete Neubau dem Museum zur Verfügung steht. Die obere Hälfte des Neubaus war bislang fremdvermietet. Das Institut für Ur- und Frühgeschichte, das im 3. Stockwerk einquartiert war, ist bereits umgezogen. Der 2. Stock, wo sich derzeit noch ein Depot des Bernischen Historischen Museums befindet, kann ab 2018 neu bespielt werden. Im November 2017 wird auf der dritten Etage die erste grosse Temporärausstellung «Weltuntergang» eröffnet, die fünf Jahre laufen soll. 
 
Weltuntergang stellt kein klassisches Ausstellungsthema für ein Naturhistorisches Museum dar. Es handelt sich um kein Naturphänomen, viel eher um eine menschliche Erfindung. Die Geschichte vom Ende der Welt ist uralt und brandaktuell zugleich. Immer wieder wird sie neu erzählt. Immer wieder entfaltet sie ihre Wirkung als Drohkulisse, Projektionsfläche oder Kreativmotor. Gleichzeitig ist die Bedrohung für die Natur und den Menschen real und allgegenwärtig: Dem Planeten Erde und den Lebenswelten seiner Bewohner drohte und droht ständig Gefahr. Gewaltige Naturkatastrophen und menschengemachte Desaster wie Kriege oder Umweltzerstörungen haben seit Menschengedenken Zerstörungen angerichtet, aber immer auch die Kraft des Lebens zu Tage gefördert und den Innovationsgeist der Menschen geweckt. «Weltuntergang» wird eine Ausstellung, die vom Umgang mit Angst handelt und vom Mut, der dazu nötig ist. Die Schau lässt eine natur- und kulturwissenschaftliche Perspektive aufeinander treffen und steht damit auch für die neue Ausrichtung unseres Hauses, die bereits vor einigen Jahren eingeläutet wurde. Entwickelt und umgesetzt wird sie in Zusammenarbeit mit dem international tätigen Ausstellungsmachern von Heller Enterprises aus Zürich, dem Unternehmen von Martin Heller, ehemaliger Künstlerischer Direktor der Expo.02.
 
Neben der Eröffnung von Weltuntergang wird 2017 aber auch von zwei Themenmonaten geprägt sein. Im Februar/März widmen wir uns der Naturvielfalt des Amazonas und dem vergessenen Pionier Emil August Göldi. Göldi ist vor hundert Jahren in Bern verstorben. Der Zoologe hinterliess uns eine wichtige und eindrückliche Sammlung mit 14 000 Objekten. In der Göldi-Kammer geben wir Einblick ins Leben und Wirken des Schweizer Naturforschers. Zudem organisieren wir im Rahmen des Themenmonates «Amazonas in Bern», der in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten durchgeführt wird, eine Reihe von Veranstaltungen (siehe Flyer). 
Im Themenmonat Birdwatchers im September widmen wir uns besonderen Vögeln –  den Hobby-Ornithologen. Frauen und Männer, die ihre Freizeit mit dem Beobachten von Vögeln verbringen – und dabei wichtige Dienste für die Wissenschaft leisten.
 

Wissenschaft

In drei Abteilungen arbeiten am NMBE 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Einige Schlaglichter auf Forschungs- und Sammlungsarbeiten im alten und neuen Jahr.
 
Wirbellose Tiere
Im 2016 wurden in der Abteilung Wirbellose Tiere 50 neue Arten entdeckt und erstmals wissenschaftlich beschrieben: 4 Käferarten, 15 Spinnenarten, 31 Schneckenarten. Die neuen Arten stammen aus Europa, dem vorderen Orient, Himalaya und Südostasien. Im Lauf des Jahres wurden über 150‘000 Sammlungsexemplare (Insekten, Schnecken/Muscheln, Spinnen) inventarisiert. Damit sind über 1.6 Millionen Exemplare erfasst. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, schliesslich kamen drei weitere bedeutende Spinnensammlungen ans Museum, unter anderem jene von Konrad Thaler (Innsbruck) – die grösste private Spinnensammlung Europas mit über 150‘000 Exemplaren. Derzeit wird der zweite Teil der Roten Liste Terrestrische Mollusken Europas von unserem Malakologie-Kurator Eike Neubert geleitet. 30 Wissenschafttler aus Europa überprüfen ca. 1200 Arten von Landschnecken. Abteilungsleiter Professor Christian Kropf hielt am Internationalen Arachnologiekongress in den USA (Denver) einen Vortrag über «Panzerspinnen», in der Folge berichtete die BBC im Wildlife-Magazin «BBC Earth»  (grösstes Natural-History-Magazin der Welt). Und zu guter Letzt konnten wir die Habilitation unserer PostDoc Seraina Klopfstein feiern – die erste Frau am Museum, die sich habilitiert hat. 
 
 
Wirbeltiere
Ein Team um Dr. Stefan T. Hertwig hat eine neue besonders filigrane Krötenart von der Insel Borneo beschrieben (Ansonia teneritas). Die neue, extrem seltene Art wurde während einer abenteuerlichen Expedition zu dem abgelegenen Usun Apau Hochplateau entdeckt. In dieser isolierten Welt gingen sogar die Nahrungsmittel für die Forscher aus. Dr. Manuel Schweizer war im Juni auf einer Expedition im Tibet zusammen mit chinesischen Kooperationspartnern von der Sun Yat-sen Universität. Dort sammelten sie Blutproben von Uferschwalben für genetische Analysen. Wie erste Ergebnisse zeigen, könnte es sich bei dieser kaum bekannten Form um eine eigenständige Vogelart handeln. Das Projet Lacs nähert sich seinem vorläufigen Abschluss. Das Projekt der EAWAG und der Universität Bern unter Förderung durch das Bafu untersucht die Artenvielfalt der Fische in den Schweizer Seen. Die gesammelten Fische sind inzwischen fast alle präpariert und in unserer Sammlung aufgenommen. Die Präparatoren des Museums schufen speziell für die Museumsnacht ein besonders wertvolles Präparat des seltenen Nasobems. Aufgrund seines possierlichen Äusseren fand dieses Objekt grossen Anklang bei den Besuchern. Im Frühjahr wird  Dr. Stefan T. Hertwig gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Deutschland und Malysia eine weitere Expedition auf die Insel Borneo durchführen. Ziel sind bislang unerforschte Gebiete im gebirgigen Norden der Insel. 
 
 
Erdwissenschaften
Neben den Suchkampagnen am Twannberg (siehe oben), suchten unsere Meteoritenforscher auch im Oman nach Himmelskörpern. Das Hauptfokusgebiet in der Rub’ al-Khali ganz im Südwesten des Oman hat höchst interessante Resultate ergeben. Hier haben Professor Beda Hofmann und sein Team ungewöhnlich hohe Funddichten festgestellt (rund 10x mehr als im Durchschnitt der Oman-Wüsten), zudem den höchsten Anteil seltener Meteoritentypen von allen bisherigen Suchkampagnen. Vom Schweizerischen Nationalfonds wird das Projekt «Meteorite Accumulations of Arabia» für eine weitere Periode bis 2019 mit 250'000 Franken unterstützt. Auch in diesem Jahr wird das Team wieder in den Oman reisen. Unsere Paläontologen unterstützten die Nagra beim Vorprojekt «Ammonitenstratigraphie in Schlüsselprofilen und Bohrungen der Nordschweiz». Dieses soll 2017 zu einem mehrjährigen Hauptprojekt ausgebaut werden. Es zeigt, dass die Expertise von Museumsforschern im Rahmen eines hochkomplexen geologischen Grossprojektes in der Schweiz sehr gefragt ist. Die Marsmission ExoMars 2020 der ESA ist definitiv bewilligt worden. Professor Beda Hofmann ist am einzigen Schweizer Experiment auf dem Rover (CLUPI) beteiligt. Im Rahmen dieses Projektes werden im Laufe von 2017 vorbereitende Arbeiten gestartet.
 
 
Kontakt: Christoph Beer, Direktor, christoph.beer@nmbe.ch, +41 (0)31 350 72 41
Martin Heller, martin.heller@hellerenter.ch, +41 (0) 43 233 91 37