Der weise weisse Mann? – Göldi & andere Forscher der Kolonialzeit

Thea Sonderegger/NMBE
In der brasilianischen Amazonasmetropole Belém steht das landesweit bekannte Museu Paraense Emílio Goeldi. Mehrere Tierarten tragen seinen Namen. In Brasilien ist er vielen ein Begriff, doch hier in der Schweiz erinnert sich kaum noch jemand an ihn: den Toggenburger Emil August Göldi. Sein Todestag jährt sich heuer zum 100. Mal. Er forschte Anfang des 20. Jahrhunderts im Amazonas und brachte eine der wertvollsten Sammlungen in unser Museum. 
 
Während seiner Zeit in Brasilien fürchtete Göldi aufgrund des tropischen Klimas Brasiliens um seine Sammlungsobjekte. Daher brachte er seine Privatsammlung und eine noch viel umfangreichere Parallelsammlung aus Belém nach Bern. Noch heute lagert diese wissenschaftlich wertvolle Sammlung als Dauerleihgabe im Naturhistorischen Museum Bern. Sie besteht aus mehr als 14’000 Objekten, davon 9’645 Insekten, 2’964 Vögel 987 Säugetiere sowie aus Reptilien, Fischen und Amphibien. Die wertvollen Objekte werden noch heute für Forschungszwe-cke verwendet.
 
Seine Bedeutung für die Wissenschaft spiegelt sich auch in Tiernamen wieder. Mehrere Arten wurden nach ihm benannt. Etwa der Göldi-Springtamarin, ein kleines schwarzes Äffchen, das im Tierpark Dählhölzli beobachtet werden kann.
 
Göldi war mit Bestimmtheit ein Pionier und gehörte zur Gilde der furchtlosen Forschungsrei-senden. Sein Leben als Wissenschaftler war ein ständiger Überlebenskampf. Das Prädikat heldenhaft hätte seine packende Biografie durchaus verdient. Allerdings weist der Naturforscher durchaus seine problematischen Seiten auf. Für die Wissenschaft setzt er nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel, er war auch gegenüber seinen Mitmenschen skrupellos. 
 
Die Diskussion bettet Göldis Leben auch in die Zeit des Kolonialismus ein. Als Vertreter eines Landes, das keine Kolonien besass, hatte er eine Art Zwischenposition inne. Auch muss gesagt werden, dass er sich stark für die Interessens Brasiliens einsetzte. Gleichzeitig profitierte das koloniale System von Wissenschaftlern wie Göldi und die Forscher vom Kolonialismus. 
 
Diese vielzähligen Aspekte werden an der Podiumsdiskussion mit vier interessanten Gästen beleuchtet. Ruedi Leuthold war langjährger SRF-Korrespondent in Brasilien, kennt nicht nur das Land und dessen Geschichte, sondern auch das Leben Göldis. Mürra Zabel ist Filmemacherin und recherchiert seit mehreren Jahren über das Lebenswerk von Schweizer Naturforschern in Südamerika. Bernhard C. Schär ist Mitarbeiter am Institut für Geschichte der ETH Zürich und Mitglied des Forschungsnetzwerks «Postkoloniale Schweiz». Und Marcel Güntert war langjähriger Direktor des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern und gehört zu den intimsten Göldi-Kennern. 
 

Dauer: 75min

Amazonas in Bern - der vergessene Pionier Emil August Göldi

Einen guten Monat lang beschäftigt sich das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern mit der Vielfalt des Amazonas – in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Bern. Im Museum selber erfahren unsere Besucher/Innen in der Göldi-Kammer mehr zum vergessenen Naturforscher Emil August Göldi, der vor hundert Jahren in Bern verstarb. Auf einer Amazonas-Schnitzeljagd geht Gross und Klein auf Suche nach versteckten südamerikanischen Tieren in den Dioramen Afrikas und der Schweiz. Wer alle Tiere findet, erhält einen Preis an der Kasse (limitiert auf 500 Preise). Zudem wartet der Themenmonat «Amazonas in Bern» mit einer Reihe von Veranstaltungen auf. 

 

Weitere Veranstaltungen zum Themenmonat «Amazonas in Bern»

PreisDatum

Eintritt frei

8. März 2017 - 19:00 - 20:15