 |

Aktuelle Wechselausstellungen >
Archiv Wechselausstellungen >
|
 |
Der Elefant von Murten
29.11.2001 - 14.04.2002
Der "Elefant von Murten" ist Hauptdarsteller eines Dramas, eines absurden Theaters,
eines Stücks Heimatgeschichte, einer Komödie und eines Trauerspiels. Er verdient es, im
Rahmen einer Sonderausstellung in Szene gesetzt und zu neuem Leben erweckt zu werden:
Da tötet im Jahre 1866 in Murten ein ausser Kontrolle geratener Elefantenbulle eines
Wanderzirkusses seinen Führer und wird daraufhin mit einer Kanone regelrecht hingerichtet.
Anschliessend essen die Murtener mit Hingabe sein Fleisch, lassen für teures Geld die Haut
ausstopfen und erwägen den Bau eines exotischen Pavillons für das tote Tier. Was auf den
ersten Blick wie eine Schildbürgerei daherkommt, entpuppt sich als faszinierende
historische Momentaufnahme, die viel über Werte und Befindlichkeit der damaligen
Gesellschaft aussagt.
Ein tödlicher Unfall mit einem Zirkuselefanten ist heute eine knappe Zeitungsnotiz wert.
Damals versetzte er die Bevölkerung in Angst und Schrecken, brachte die Behörden ans Ende
ihres Lateins und hielt fast zwei Jahre lang das Städtchen in Atem. Alle hatten eine Rolle
in dem Spiel; da war das Publikum, das Militär, der Artilleriehauptmann, der Gemeinderat,
die Finanzkommission, der Präparator, der Architekt, die Naturkundler, Metzger, Köchinnen,
die Zweifler, Fanatiker und Spötter.
Was spektakulär begann, endete schliesslich ernüchtert mit dem Verkauf des ausgestopften
Fremdlings an das "Naturalien Cabinett" des Naturhistorischen Museums Bern, wo sich seine
Spur beim Umzug des Museums in den dreissiger Jahren verliert.
Nur das geflickte, ausgebleichte Skelett ist noch vorhanden und erinnert daran, dass der
Elefant weder unbezwingbares Monster noch Sagengestalt gewesen war, sondern ein für das
harte Zirkusleben abgerichtetes Arbeitstier. Der nach damaliger Auffassung gebührend
bestrafte Täter war so betrachtet ein Opfer, das als Glanzstück eines Wanderzirkusses
ein elendes Leben führte. Die meiste Zeit angekettet, von seinem Halter mit brutalen
Methoden unter Kontrolle gehalten, sorgte er wie damals üblich als Wundertier für
gefüllte Kassen. Schon vor seinem Tod wurde er als wertvolles Ausstellungsstück gehalten;
ausgestopft und als Skelett montiert diente er schliesslich der Schaulust des Publikums
eine ganze Weile noch fast besser als zu Lebzeiten.
[nach oben]
|
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
Konzept und Realisation der Ausstellung:
Claude Kuhn, Gestalter
Dora Strahm, Zoologin
beide Mitarbeitende des Naturhistorischen Museums
Öffnungszeiten des Naturhistorischen Museums Bern:
Montag 14-17
Dienstag - Freitag 9 -17
Samstag, Sonntag 10-17
Geschlossen am 24. 25. u. 31. Dezember, 1. Januar
Eintrittspreise:
Erwachsene 5.-
Jugendliche 17-20 Jahre, Studierende,
Lehrlinge, AHV, Militär, Gruppen ab 10 Personen 3.-
Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren Gratis
Führungen:
Auf Anfrage
Fachliche Auskünfte zur Ausstellung:
, 031 350 72 30 MO-FR
, 031 350 72 84 DO, übrige Zeit 079 746 98 70
|
|